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Stuttgarter Nachrichten online Artikel
Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 07.12.2000 Grüne wollen dem Nachwuchs mehr Bewegung verordnen
Stuttgart - Kinder und Jugendliche leben zu ungesund. Davor warnte die Grünen- Landtagsabgeordnete Birgitt Bender am Mittwoch im Stuttgart. Sie fordert von der Landesregierung eine verbesserte
Gesundheitspolitik für die junge Generation.
VON KATHRIN HAASIS
Bewegungsmangel, falsche Ernährung, Verhäuslichung - die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sei heutzutage mehr als früher
gefährdet, sagte die grüne Sozialpolitikerin. Jedes sechste Kind ist übergewichtig, jedes dritte Kind hat einen erhöhten Blutdruck und jedes vierte Kind zu hohe Cholesterin-Werte, zitierte Birgitt Bender aus einer
Nürnberger Studie. Daneben litten die Jungen auch an Koordinationsschwäche, an Haltungsschäden und chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zudem belegte die Studie einer Krankenkasse, dass Kindern und
Jugendlichen zu viele Medikamente mit zweifelhaftem Nutzen verschrieben würden. Besonders besorgniserregend befand Bender den Anstieg von Psychostimulanzen: Schon zwei Prozent der Kinder zwischen sechs und zehn
Jahren bekommen ein Medikament gegen das so genannte Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.
Auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion bewertete die Landesregierung den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in
Baden-Württemberg als "insgesamt befriedigend bis gut''. Problematisch sei vor allem die Zunahme von psychischen und soziomatischen Störungen. Mädchen litten unter Nervosität bis hin zu depressiven Störungen.
Jungen seien immer öfter hyperaktiv, gereizt oder aggressiv. Vor allem die Gesundheit des Nachwuchses aus sozial schwachen Familien sei besonders gefährdet, hieß es seitens der Landesregierung. Ursache für
Krankheiten seien Krisen wie Trennung der Eltern, Arbeitslosigkeit oder Vernachlässigung der Kinder sowie billige Fehlernährung und Bewegungsmangel.
Deshalb müsse die Gesundheitspolitik des Landes die
Familie, den Stadtteil und das gesamte soziale Umfeld einbeziehen, erklärte Bender. "Sie muss dort ansetzen, wo Kinder und Jugendliche sind: im Kindergarten, in der Schule, der Ausbildungsstätte, im
Sportverein.'' Zudem sollten spezielle Anlaufstellen für Kinder und Jugendliche eröffnet werden - wie zum Beispiel der Stuttgarter "Mädchenladen''.
Mehr Bewegung im Kindergarten und in der Schule
verordnen die Günen dem Nachwuchs. Allerdings gebe es vor allem in den Grundschulen zu wenig Lehrer für Sport, und zu viele der Stunden fielen aus. Das Land solle zudem den Ausstieg aus der Förderung der Regionalen
Arbeitsgemeinschaften rückgängig machen, findet Bender. Diese Gruppen haben zahlreiche Projekte zur Gesundheitsförderung in den Schulen und Kindergärten gefördert.
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